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Peter Kruse About Cultivating Creative Systems

Started by kungfooman, Feb 18, 2020, 10:26 PM

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kungfooman

Ein Ding, was sie immer tun können - also, sie können ja nicht wirklich die Kreativität und Innovationsfähigkeit der Mitarbeiter fördern - da muss man ja schon mal sagen, bitte unterscheiden sie bei allem, was sie tun, zwischen indirekten Variablen und direkten Variablen.

Das ist sehr wichtig.

Also, wenn mir jemand sagt, wir machen ein Kulturveränderungsprojekt, dann krieg' ich weisse Haare; jenseits der Haare, die ich schon habe, die weiss sind.

Weil kultur ist eine indirekte Variable, Kultur kann ich nicht erzeugen, Kultur ist keine Projektarbeit. Ich kann nur Rahmenbedingungen erzeugen, in denen bestimmte Kulturmuster emergieren.

Also, wenn sie Kreativität erzeugen wollen, können sie sich fragen: was sind systemische Rahmenbedingungen, in denen Kreativitaet erscheint? Aber sie können nicht Kreativitaet "machen". Sonst kommen wir in diese freundliche Methode, dass ich sage: "Sei kreativ!"

Huch, erschreckt man sich, wie geht das?

Das ist mindestens so absurd wie zu sagen, "Sei spontan, aber bitte jetzt! Denk auf keinen Fall an einen rosaroten Elephanten!" Was machen wir da? Wir machen etwas, was nicht wirklich geht.

Also bitte, wenn sie über Kreativität reden, reden sie über indirekte Möglichkeitsräume, und nicht über das direkte Erzeugen. Und einer der indirekten Möglichkeitsräume von Kreativität ist Diversity. Wenn sie Unterschiedlichkeit im System erhöhen - ob das kulturell ist, oder stilmässig, völlig egal. Intelligente Systeme, die in der Lage sind zu akkumulieren, und nicht nur zu assimilieren, die im Prozessmuster wechseln können, sind immer Systeme, die mit internen Spannungsverhältnissen arbeiten: weil Systeme mit internen Spannungsverhältnissen erzeugen instabile Phasen, und Systeme mit instabilen Phasen erzeugen die Möglichkeit zum Übergang zum neuen Muster, und das nennen wir Kreativität.

Also erhöhen sie die Spannung im System! Schaffen sie Unterschiedlichkeit, dann schaffen sie die Möglichkeit zum Prozessmusterwechsel. Machen sie keine Einheitlichkeit! Harmonische Systeme sind dumme Systeme.

In der Natur entsteht Ordnungsmuster immer aus Widerspruch, nicht aus Harmonie. Das heisst, wenn sie wirklich komplexe Ordnungsmuster haben wollen, erhöhen sie bitte die Unterschiedlichkeit im System. Geben sie Querdenkern eine Chance, lassen sie die Störer zu, und - und das ist fast trivial - bauen sie Netzwerke;

Weil in dem Moment, wo sie ein Netzwerk bauen, schaffen sie eine Situation, wo die nichtlinearen Rückkopplungseffekte immer wieder für das Auflösen von stabilen Zuständen sorgen. D.h., Rückkopplungsmechanismen und Diversität sind extrem positiv für Kreativität.

Bauen sie Netzwerke! Sorgen sie dafür, dass der Kollege in China eine unmittelbare Wirkung hat auf den Kollegen in Deutschland. Wenn das passiert, und das wirklich funktioniert, dann wird der Kollege in China mit seiner Unterschiedlichkeit, wenn er denn vernetzt ist, den Kollegen in Deutschland immer hinreichend ärgern und stören, dass der eine Chance hat, kreativ zu werden; und wenn sie das nicht nur mit einem Kollegen und einem Kollegen machen, sondern mit einem gigantischen Netzwerk, dann, kann ich ihnen sagen, wird die übersummative Intelligenz dieses Netzwerkes größer sein als die Summe der Einzelintelligenzen: und dann haben wir wirklich was geschafft, und dann reden wir hinterher davon, dass wir viele kreative Menschen haben.

Suchen sie bitte, vielleicht können sie natürlich suchen nach dem Einzelbeispiel des Kreativen, so wars früher: da hat man immer den Einzelnen gesucht, der durch irgendeinen biographischen Unfall die Schmerzen so gut erträgt, dass er kreativ ist. Heute suche ich nicht mehr diesen biographischen Unfall; heute versuche ich Systeme mir anzuschauen, die diesen biographischen Unfall nicht mehr brauchen, weil sie selber ein Unfall sind.

Und, also, bauen sie Systeme, die stören!

Weil, Systeme die nicht stören, sind immer stabilitätsorientierte Systeme. Sorgen sie dafür, dass die Komplexität und Dynamik innerhalb des Systemes mindestens so groß ist, wie die Komplexität und Dynamik am Markt.

Folgen sie einfach Ashby's Law.

Ashby als Systemtheoretiker hat in den Fünfzigerjahren gesagt: wo immer wir ein hochkomplexes dynamisches Problemsystem haben, brauchen wir im Minimum ein so komplexes dynamisches Lösungssytem.

D.h., wenn wir keine gegengleiche Komplexitaet haben, sind wir nicht lösungfähig.

Wenn jetzt unsere Welt immer komplexer wird, durch Vernetzung, kann man sagen: die einzige Lösung, die wir haben, ist Komplexität durch Vernetzung; weil dann haben wir die Chance. Und das Gehirn - da sind wir wieder bei meinem Ausgangsstatement, das ich nur versucht habe, das Gehirn auf Management zu übertragen.

Das gehirn macht das vor.

Der Mensch mit seinem Gehirn ist in der Lage, vom Äquator bis zum Nordpol zu überleben - das einzige Lebewesen, was das kann. Warum? Weil wir ein komplexes dynamisches System haben, das uns in die Lage versetzt, mit komplexen dynamischen Systemen zu leben. D.h., nur weil unser Gehirn unkalkulierbare Dynamiken erzeugt, nur deshalb können wir mit unkalkulierbaren Dynamiken einigermassen umgehen.

D.h., das Gehirn ist eine große Erfindung der Natur im Umgang mit Unvorhersagbarkeiten. Die andere große Erfindung, die die Natur gemacht hat, ist nicht die individuelle Intelligenz des Gehirns, sondern die kollektive Intelligenz des Schwarms. Das war eine mindestens so grosse Intelligenzleistung, d.h. es gibt eigentlich nur zwei durchsetzungsfähige, wirklich durchsetzungsfähige Mechanismen: das eine sind staatenbildende Insekten, die finden sie überall auf der Welt, sind unglaublich erfolgreich als Spezies; und sie haben das individuelle Gehirn in der Hochentwicklung des menschen. Das ist wirklich erfolgreich, weil sie einmal ein dynamisches komplexes System haben, und bei den staatenbildenden Insekten auch - nur, beim einen steckt es im Individuum, und beim anderen steckt es in der Menge der Individuen; aber das Prinzip ist das gleiche:

Hohe interaktivität, hohe Rückkopplungseffekte; und dann können sie Ordnungsmuster erzeugen. Das ist einfach sehr, sehr effektiv.

Und ich versuche in meinen eigenen Zusammenhängen heute, solche Systeme immer zu bauen. Also, wenn sie sagen würden, was machst du eigentlich um erfolgreich zu sein, dann würde ich nicht mehr sagen: 'klug sein'; sondern Markt beobachten; das ist schon fast ableitbar. Ich versuche immer zu verstehen, was ist da draussen los?

Und ansonsten versuche ich, Netzwerke zu bauen, und da baue ich eigentlich nur das Gehirn nach. In meinen Netzwerken gibt es immer drei Charaktere von Menschen:

Es gibt die Creators, das sind die Spinner, die mich immer stören, die immer mit neuen Ideen kommen. Es gibt die Owner, das sind die Wissenseigner. Das sind die Leute, die etwas im tz beherrschen. Und, es gibt die Broker; das sind die, die Leute kennen, die etwas wissen; die vermitteln. Und jetzt kann man eigentlich sagen: Diese drei Personengruppen bilden zusammen ein Gehirn.

Wenn ich den Creator und den Owner zusammenbringe, bekomme ich Ideen. Da entsteht nämlich aus Wissen und aus Instabilitaet ein Ideenpool: das ist der Cortex.

Wenn ich den Owner und den Broker zusammenbringe, habe ich zwei Bewerter zusammen. Weil, der Broker muss bewerten können, ob ein Wissen was taugt, und der Owner muss bewerten können. Hier habe ich das limbische System.

Und wenn ich den Broker und den Creator zusammenbringe, dann habe ich Erregung. Weil, der Broker stört mich, und der Creator stört mich. D.h., was bekomme ich dann? Eine aufsteigend retikulär aktivierende Formation, die mich immer wieder erregt.

Und wenn sie die drei Dinge zusammenbringen, Errgegung, Lösungsbildung und Bewertung, dann haben sie ein Gehirn.

Was anderes tu ich nicht; ich such mir einfach immer nur diese Leute, die diese Charakteristiken haben. Und glauben sie mir: die unterscheiden sich. Sie finden nach kurzer Zeit raus, wer ein guter Broker ist. Die sind nicht tief in ihren Kenntnissen, aber die wissen immer genau, wer's weiss. Und diese Creator, die sind nicht tief in ihren Kenntnissen unbedingt, aber die Spinnen wie die Weltmeister; die können unglaublich schnell neue Muster erzeugen.

Und die Owner sind diese wertvollen Leute, die etwas wirklich gut wissen; die aber, wenn sie alleine sind, meistens keine neuen Lösungen finden, weil sie die Instabilität nicht hinbekommen.

D.h., ohne die Erregung und ohne die störung wird das ganz, ganz schwer.

Und so kann man, wenn sie so wollen, intelligente Systeme bauen, deren Summenintelligenz grösser ist als die Intelligenz der beteiligten Menschen.

Und das ist mein großes Ziel.